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Über Designer und Entwickler

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Designer und Entwickler (Yin-Yang)

t3n hat in der Nr. 34 gerade "Die 100 wichtigsten Köpfe im Netz" ausgerufen, und ich bin in der Kategorie "Webdesign und Frontend" auf Platz 6 gelandet. Mein erster Gedanke war "Vielen Dank für das Kompliment, aber ich bin doch gar kein Webdesigner".

Da ich gerade an einem Videotraining "HTML5 für Designer" arbeite, habe ich mir mal ein paar Gedanken über die Begriffe "Designer" und "Entwickler" gemacht, und was ich denn nun eigentlich wohl bin oder auch nicht. 

Designer

Design ist in und Design ist schick. Es gibt Designerbrillen, Designerklamotten und vieles mehr, aber was genau ist überhaupt so ein "Designer"? Die Wikipedia sagt dazu

Der Designer oder Gestalter formt und gestaltet Medien wie Fotografien, Filme, Webseiten oder andere Produkte…

Ein deutsches Wort für Designer wäre also "Gestalter", und ein Designer "formt" etwas. Er hat etwas mit Layout zu tun, denkt eher visuell und fühlt sich in grafischen Programmen zu Hause. Als Schaubild könnte das so aussehen wie in der folgenden Abbildung. 

Designer

Designer spielen gerne im Illustrator und anderen schicken Programmen von Adobe rum. Zum Feierabend stapeln sie Ebenen in Photoshop und tweeten das Ergebnis. Ohne Designer sähe das ganze Web so aus wie useit.com von Jakob Nielsen.

Entwickler

Das Web ist aber mehr als "Papier mit Hintergrundbeleuchtung" und Interaktivität bedeutet, dass Daten in Formulare eingegeben und in irgendeiner Form verarbeitet werden. Und da kommen die Entwickler ins Spiel. 

Entwickler sind der Gegenpol zum Designer. Im Wikipedia-Artikel über "Webdesigner" heißt es:

In großen Internetagenturen wird der Webdesigner oftmals ausschließlich für das Layout und Design der Webseiten eingesetzt. Weitergehende Aufgaben werden dann von anderen Spezialisten wie Programmierern in Arbeitsteilung übernommen.

Mit "weitergehende Aufgaben" ist zum großen Teil Programmierung gemeint. Ein Entwickler, neudeutsch Developer, ist jemand, der sich sich in erster Linie um die Funktion kümmert. So wie ein Designer sich eher in grafischen Programmen zu Hause fühlt, leben Entwickler in Texteditoren. Ihr Biotop ist der Quelltext. 

Entwickler

Entwickler verbringen ihre Zeit auf Github. Sie lieben die Kommandozeile und tausend Tools optimieren ihren Tagesablauf. Zum Feierabend geht's ab in den IRC, denn Twitter ist für Weicheier. Ohne Entwickler wäre das Web immer noch ein gigantisches Epidiaskop zum Betrachten von Dokumenten.

Designer und Entwickler

"Designer" und "Entwickler" sind also bei der Erstellung von Websites zwei gegensätzliche Pole, aber in dieser Reinform gibt es sie eigentlich kaum. Die meisten Webworker sitzen irgendwo dazwischen, die einen mehr in Richtung Designer, die anderen eher in Richtung Entwickler, und es gibt nur wenige, die das gesamte Spektrum beherrschen. 

Was für Designer wichtig ist, ist für Entwickler unwichtig, und umgekehrt genauso. Wobei sie sich, wie die folgende Grafik zeigt, perfekt ergänzen.

Designer und Entwickler

Designer müssen nicht perfekt programmieren können, aber sie müssen verstehen, dass im Web nicht nur die Gestaltung zählt und dass hinter der hübschen Fassade Code am Werk ist. Entwickler hingegen müssen kein Designstudium absolvieren, sollten aber begreifen, dass auch im Web nicht nur die Funktion zählt.

Was aber wirklich wichtig ist, dass sie miteinander reden. Das Zauberwort heißt Kommunikation. Designer und Entwickler müssen einander soweit verstehen, dass sie miteinander reden können. Ob sie es dann auch tun hängt von anderen Faktoren ab.  

Irgendwo dazwischen: Webworker oder Autor oder so

So weit so gut. Aber wo stehe ich nun in diesem Kontinuum?

Ich bin kein Designer. Ich habe zwar einen iMac, aber darauf gibt es weder Photoshop noch Illustrator. Andererseits bin ich definitiv auch kein Entwickler. Ich arbeite zwar gerne mit Texteditoren und schreibe Code, kann aber nicht wirklich programmieren.

"Erklärbär" haut schon eher hin. Oder "Webworker". Ich verbringe viel Zeit im Web und beschäftige mich damit, wie man darin Informationen veröffentlichen kann, aber auch Webworker trifft die Sache nur zum Teil. 

Also was dann? Sternzeichentechnisch bin ich Fisch. Irgendwann habe ich auf einem Zuckertütenhoroskop gelesen, dass Fische "medial veranlagt" sind, und im Gegensatz zu ungezählten anderen Horoskopaussagen blieb dieser Satz hängen. "Medial veranlagt". Ein Medium, ein Vermittler zwischen Welten, ein Grenzgänger, der von der jeweils anderen Seite berichtet. Ich tauche ab, bringe Daten (data) nach oben und verwandle diese in Information (information), die für Leser und Zuhörer zu Wissen (knowledge) werden. Können. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verstehen (understanding). 

Das Thema ist dabei in erster Linie das Web, dass ich relativ früh kennen gelernt habe und das ich nach wie vor faszinierend finde. 

Webworker, Autor, Dozent. Irgendsowas könnte stimmen.

Die Illustrationen in diesem Blogbeitrag stammen aus dem Videotraining "HTML5 für Webdesigner" an dem ich gerade arbeite und das demnächst bei video2brain erscheinen wird. Die beiden Visualisierungen zu "Designer" und "Entwickler" (die mit den vielen Kugeln) basieren auf einer Powerpointvorlage, die video2brain mir zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank dafür. 

Die Hierarchie der Begriffe Data, Information, Knowledge, Understanding und Wisdom wird in einem Beitrag von Gene Bellinger aus dem Jahre 2004 erläutert, den ich dank eines Tweets von @iA Oliver Reichenstein gefunden habe, der im t3n-Ranking "Webdesign und Frontend" auf Platz 1 gelandet ist und dem wir den phantastischen iAWriter zu verdanken haben.

Letzte Änderung am Text: 05. Dezember 2013 um 17:10 Uhr

Peter Müller - Autor und Dozent

Mein Name ist Peter Müller. Ich bin Autor diverser Fachbücher und Videotrainings, Dozent und Webworker.

Ab und an schreibe ich hier im Blog Beiträge zu den verschiedensten Themen, aber meistens hat es was mit dem Web zu tun.

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Kommentare

Kommentar von Robert |

Wie dem auch sei, Glückwunsch! :-)

Antwort von Peter Müller

Dank je wel, Robert. Und mal sehen, was nächstes Jahr mit "Die Homepage-Schule" passiert. Da wird sich schon was finden.  

Kommentar von Manfred |

Glückwunsch von einem begeisterten Leser deiner Bücher und deiner Beiträge im Contao Forum und auf dr.web

Antwort von Peter Müller

Danke für den Glückwunsch! 

Kommentar von makcie |

Herzlichen Glückwunsch - Ehre wem Ehre gebührt!

Über Begriffe kann man trefflich streiten. Auch bei Wikipedia sind die Begriffe nicht eindeutig definiert.
Du bezeichnest dich als Webworker. Aus meiner Sicht bist du sowohl Webentwickler (Webseitenersteller, kein Programmierer) als auch Webdesigner (Webseitengestalter). Du bist auch Autor und Dozent und verstehst es, komplizierte Sachverhalte auf einfache und unterhaltsame Weise darzustellen.

Du hast viele begeisterte Leser und Leserinnen, die mit Deinen Little-Boxes-Büchern seit 2006 bis in die Gegenwart gelernt haben, wie man mit HTML und CSS Websites erstellt und gestaltet, und mit Deinem Contao-Buch erfahren haben, wie ein CMS funktioniert. Dein neues Buch „Flexible Boxes“ ist sehr hilfreich, um HTML5, CSS3 und Responsive Webdesign zu verstehen und auf das zweite neue Buch "Einstieg in CSS - Webseiten gestalten mit HTML und CSS", das dieser Tage erscheint, darf man auch gespannt sein.

Begriffe hin, Begriffe her - du hast es wirklich verdient, dass auf der Liste „Die 100 wichtigsten Köpfe im Netz“ auch deine Arbeit gewürdigt wird.

Antwort von Peter Müller

Vielen Dank für die Glückwünsche Zwinkernd

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