Im September waren wir ein paar Tage in Bologna, und ein paar Momente möchte ich hier festhalten.
Bologna auf einen Blick

Die Innenstadt ist recht übersichtlich und von einem Ring umgeben:
- Nördlich der Innenstadt ist der Hauptbahnhof. Mit dem Bus kann man die Innenstadt auf dem Ring umrunden: der 33er fährt linksrum, der 32er rechtsrum.
- Gewohnt haben wir in einem B&B etwas südlich der Stadtmauer am Anfang der Via San Mamolo, und das war zum Entdecken der Stadt eine gute Wahl.
- Von der Wohnung aus konnte man geradeaus in die Innenstadt laufen und war in gut 15 Minuten am zentralen Platz, der Piazza Maggiore.
In Bologna kann man laufen oder Bus fahren
Man kann die gesamte Innenstadt gut durchlaufen, und für etwas weitere Strecken gibt es immer irgendeinen Bus.
Bei der Wahl des richtigen Busses helfen die Karten-App von Apple oder Google Maps. Während der Fahrt kann man live mitgucken, wann man wieder aussteigen muss. Klasse.
Tickets für den Bus kaufen ist einfach
Tickets kaufen ist einfach, auch ohne Italienisch-Kenntnisse. Im Bus gibt es nach dem Einsteigen zwei Möglichkeiten, ein Ticket zu kaufen:
- einen roten Automaten für passendes Münzgeld. Aktuell sind das 2,50€.
- einen grünen Automaten für Girokarten. Einfach dranhalten und abwarten bis ein grünes Häkchen erscheint. Kurz danach sind 2,30€ weniger auf dem Konto. Man braucht für jede Person eine andere Bankkarte.
Es gibt noch einen dritten Automaten, der glaube ich zur Entwertung von Einzeltickets dient, aber den haben wir nicht genutzt.
Am günstigsten ist es, an einem Kiosk (erkennbar am gut sichtbaren T-Schild) pro Person eine 10er-Karte zu kaufen, die man dann bei Fahrtantritt am grünen Automaten im Bus entwertet. Kostet momentan 19€, also 1,90€ pro Fahrt (Stand 09/2025).
Ein Ticket ist 75 Minuten lang gültig. In dieser Zeit kann man beliebig oft umsteigen und krisskross durch die Innenstadt düsen.
Es gibt auch Tageskarten (ich glaube 5€), aber die haben wir nicht genutzt. Das lohnt sich auch nur, wenn man an einem Tag wirklich eine Menge Bus fahren will.
Am Piazza Maggiore
Am ersten Tag sind wir einfach mal losgelaufen. Richtung Norden, immer geradeaus. In der Innenstadt gibt es jede Menge breite Arkaden, auf denen man von Sonne und Regen geschützt durch die Stadt schlendern kann, zwischen Läden und Straße.
Neptun, der Brunnen und der Daumen
Als wir am Piazza Maggiore ankamen, fiel der Blick gleich auf den Neptunbrunnen. Das Standbild von Neptun steht auf einem Sockel. Zu seinen Füßen haben vier Engel jeweils einen Delphin im Arm, die für die vier damals größten Flüsse Ganges, Nil, Amazonas und Donau stehen. Darunter sieht man vier Nymphen, die ihre Wasser spritzenden Brüste festhalten.


Der Bildhauer hatte Neptuns Männlichkeit ursprünglich dermaßen großzügig gestaltet, dass die Kirche Veto einlegte und eine Verkleinerung verlangte. Wie er mit dieser Vorgabe umgegangen ist, kann man vor Ort leicht nachvollziehen:
- Zunächst betrachtet man das Standbild von vorne und beachtet dabei den an der linken Hand abgespreizten Daumen.
- Dann geht man links am Standbild vorbei bis man ein paar Meter schräg dahinter steht und dreht sich dann um.
- Man schaut dann an Neptun vorbei zur großen Kirche und in seiner Körpermitte erscheint der abgespreizte Daumen, der aus dieser Perspektive an etwas erinnert.
Kreativität geht über Zensur. Lovin‘ it.
Sala Borsa und die Ruinenstadt Felsina
Neben Neptuns Brunnen ist die Sala Borsa. Dort gibt’s ein bisschen Schatten, Ruhe, ein Café mit lekkeren Donuts, eine Bibliothek und einen Fußboden aus Glas.
Unter dem Fußboden sieht man die zweitausend Jahre alte Ruinen von Felsina, dem etruskischen Vorgänger von Bologna. Man kann auch runter gehen und darin rumlaufen.
Palazzo del Podestà mit Touristinfo
Auf der anderen Seite vom Brunnen ist der Palazzo del Podestà, in dem sich auch die Touristinfo befindet.
Empfehlung: Nummer ziehen, warten bis man dran ist und dann nach einer kostenlosen Karte der Innenstadt fragen. Die Karte lohnt sich, auch wenn man mit Smartphone und Karten-App durch die Stadt läuft.
Basilica San Petronio mit Sonnenuhr und Pendel
Gegenüber vom Touristinfo ist eine nicht zu übersehende Kirche namens Basilica San Petronio.
San Petronio sollte ursprünglich größer werden als die Peterskirche in Rom, aber das fand der Papst nicht so gut. Also wurde die Finanzierung unterbunden, die Kirche nicht fertig gebaut und die Hierarchie blieb erhalten.
In San Petronio gibt es der Welt größte Sonnenuhr, und in einer Seitenkapelle hängt ein Pendel, das Umberto Eco zu seinem Buch Das Foucaultsche Pendel inspiriert haben soll.
Das Quadrilatero, ein sehr gemütliches Viertel
Die Cafes vor dem Palazzo del Podestà waren vergleichsweise teuer und ziemlich schlecht bewertet, daher sind wir ein paar Schritte weiter durch einen Torbogen ins Quadrilatero gelaufen.
In diesem Viertel gibt es viele kleine Straßen wie die Via Pescerie Vecchie. Hier findet man neben Restaurants auch Käse (Parmesan), Fisch, Obst, Gemüse und Cafes. Das Viertel ist mitten im Zentrum, von daher sollte man keine Niedrigpreise erwarten, aber man kann auch einfach nur rumlaufen, fotografieren und staunen.

Halt gemacht haben wir dann in der Via Ranocchi bei einem kleinen Laden namens Osteria del Sole, bei dem draußen nicht einmal ein Schild hängt. Hier kann man nur Getränke bestellen, z. B. Bier (auch alkoholfrei. Clausthaler. The Original.) oder einen leckeren Wein. Das Essen holt man sich in einem der umliegenden Läden (Mortadella ist typisch für Bologna) und nimmt es dann mit rein.


Eine echte Empfehlung ist übrigens eiskalter Lambrusco. Ich habe Lambrusco vor der Reise eher mit billigstem Rotwein assoziiert, aber damit hat das inzwischen wirklich gar nichts mehr zu tun. Eiskalter Rotwein kann richtig lecker sein.
Ab 17 Uhr sitzen hier gerne Reiseleiter mit ihren Gruppen an den Tischen und man sollte reservieren, aber zur Lunchzeit haben wir locker einen freien Tisch gefunden.
Das Univiertel und die zwei Türme
Bologna ist eine Studentenstadt, und um das Univiertel zu sehen sind wir zunächst mit dem Bus zum Porta San Domenico gefahren. Nach einem Kaffee ging es dann einer lange Straße folgend immer gerade aus durch das gesamte Viertel.
An der Piazza Verdi wurde gerade gebaut, aber man bekommt einen guten Eindruck, von der Lebendigkeit des Univiertels.


Nach der Piazza kommt man langsam ins alte jüdische Ghetto, und wir sind über die Via Marsala zu Camera a Sud gelaufen, wo wir lecker geluncht haben.
Danach ging es weiter zu den letzten beiden großen Türmen von Bologna, bekannt als Le Due Torri. Wenn man genau hinschaut, sieht man auf dem blauen Bauzaun ziemlich weit oben einen HSV-Sticker. Nie mehr zweite Liga.


Heute gibt es nur noch diese beiden Türme, aber im Mittelalter waren es viel viel mehr. Sie gewährten den darin lebenden Familien Schutz und dienten gleichzeitig auch als Symbol für den Wohlstand. Je größer, desto wichtiger.
Im Palazzo D’accursio am Piazza Maggiore gibt es im Museum ein Modell, das Bologna in der mittelalterlichen Blütezeit der Türme zeigt. Das Modell wurde 1917 von einem Schuhmacher namens Angelo Finelli erstellt, der die Geschichte der Türme gründlich recherchiert und dann in mühevoller Kleinarbeit umgesetzt hat.

San Luca und der Bogengang
Auf einem Berg weit oberhalb der Stadt liegt die Kirche Santuario della Madonna di San Luca.
Wir sind mit dem Bus raufgefahren, haben die Kirche erkundet und die Aussicht genossen, und gingen dann über den fast 4 Kilometer langen Bogengang, bei dem in diversen Seitenkapellen der Leidensgang Jesu geschildert wird, wieder nach unten.
Echte Pilger lassen den Bus stehen und laufen zu Fuß nach oben. Nach genau 666 Bögen markiert oben ein Kreuz mit dem Gekreuzigten das Ziel.






