Mastodon – der erste Eindruck

Mastodon ähnelt Twitter, aber es gibt kleine und größere Unterschiede. In diesem Beitrag geht es um Zeitleisten, den nicht vorhandenen Algorithmus, die Sache mit der Suche und die nicht existierenden Drüberkommentare. Und man kann Toots nach der Veröffentlichung bearbeiten. Let that sink in …

Es gibt drei Zeitleisten: Startseite, Lokal und Föderiert

In Mastodon gibt es anders als auf Twitter drei Zeitleisten:

  • Startseite zeigt Beiträge von Leuten denen ich folge, egal auf welchem Server sie zu Hause sind.
  • Lokal zeigt Beiträge von Personen, deren Konten auf demselben Server gehostet werden.
  • Föderiert zeigt Beiträge auch von Personen auf anderen Servern, die dieser Server kennt.

In der Desktop-Version und der App Metatext werden diese drei Zeitleisten sehr schön abgebildet. Wem es in der eigenen Zeitleiste zu langweilig wird, der kann sich dann mal Lokal umsehen oder mit Föderiert in die weite Welt hinausziehen.

Die drei Zeitleisten von Mastodon im Client Metatext
Die App Metatext und die drei Zeitleisten

Die folgende Grafik zeigt, wie das mit den Toots und den Zeitleisten funktioniert:

  1. @hello postet einen öffentlichen Toot
  2. Wer @hello folgt, bekommt den Toot im Feed auf seiner Startseite.
  3. Wenn @hello auf demselben Server wohnt, erscheint er in Lokal.
  4. Wenn jemand auf meinem Server @hello folgt, erscheint der Toot in Föderiert
  5. Wenn jemand auf meinem Server den Toot von @hello geboostet oder in der Suche die URL des Toots eingegeben hat, erscheint der Toot ebenso in Föderiert.
  6. Wenn weder ich noch jemand auf meinem Server @hello folgen, der Account auf einem anderen Server liegt und niemand den Toot geboostet oder gesucht hat, bekomme ich den Toot nicht zu sehen.
Quelle: mastodon.social/@jj_79/109253627410534122

DIY: Es gibt keinen Algorithmus

Bei allen drei Zeitleisten werden die Beiträge nur chronologisch gelistet. Auf Mastodon gibt es keinen Algorithmus, der aufgrund bisheriger Interaktionen eventuell interessante Beiträge oder Nutzer:innen vorschlägt. Das Fehlen des Algorithmus ist an sich eine gute Sache, bedeutet aber auch, dass man sich selbst auf die Socken machen muss, um interessante Personen und Dinge zu finden.

Ein guter Beitrag zu den Auswirkungen des (fehlenden) Algorithmus ist der folgende Beitrag:

Geschrieben wurde von Riffreporterin Eva Wolfnagel.

Die Sache mit der Suche

Auf Mastodon gibt es keine Volltextsuche für alle Beiträge. Dies ist kein fehlendes Feature, sondern eine bewusste Design-Entscheidung:

Mastodon deliberately does not support arbitrary search. If someone wants their message to be discovered, they can use a hashtag, which can be browsed. What does arbitrary search accomplish? People and brands search for their own name to self-insert into conversations they were not invited to.

Cage the Mastodon von Eugen Rochko

Das Suchfeld von Mastodon dient in erster Linie zum Aufrufen von Beiträgen und Profilen per URL oder zur Eingabe von #Hashtags und @profilnamen. Die Suchergebnisse werden in den Tabs Alle, Profile, Hashtags und Beiträge angezeigt.

Wenn ich in der Suche einen einfachen Begriff wie Groningen eingebe, werden Profile und Hashtags mit diesem Begriff gefunden. Auf dem Register Beiträge werden nur Beiträge angezeigt, die ich selbst geschrieben, favorisiert oder geteilt habe, oder wenn ich darin erwähnt werde. Alle anderen Beiträge werden nicht durchsucht.

Die Suche in Mastodon

Wenn man also möchte, dass die eigenen Beiträge von anderen Leuten gefunden werden, sollte man mit entsprechenden Hashtags nicht geizen.

Grünkohl gibt’s nicht

Wenn man in Mastodon z. B. nach »Grünkohl« sucht, könnte man meinen, dass es den gar nicht gibt:

  • Es gibt keine oder kaum Profile mit dem Begriff »Grünkohl« im Namen.
  • Der Hashtag #grünkohl ist ebenfalls nur selten vertreten.
  • Ich selbst habe keine Beträge gepostet, favorisiert oder geteilt, in denen »Grünkohl« vorkommt.
  • Fazit ist, dass die Ergebnisseite bei einer Suche nach »Grünkohl« fast leer ist.

Trotzdem ist das Fehlen der Volltextsuche ein Feature. Unterhaltungen auf Mastodon sind dadurch organischer, da nicht plötzlich Wildfremde mit Hilfe der Suche vorbeischauen und ungefragt ihren Senf dazu geben.

Quoting Messages: Bye bye, Drükos.

Auf Twitter kann man beim Re-Tweeten die Option Quote Tweet auswählen und dann oberhalb des Tweets einen Kommentar einfügen. Diese Drüberkommentare, kurz Drükos, gibt es bei Mastodon ganz bewusst nicht:

In den ersten Tagen habe ich es vermisst, bei einem Boost mal schnell eben eine Bemerkung dazu machen zu können, und dachte »Naja, kommt wohl bald«, aber inzwischen geht es mir genau wie bei der Suche: Das Fehlen dieses Features ist eine gute Idee.

Yes. Man kann Beiträge nach dem Posten bearbeiten.

Die Überschrift sagt alles. In der Desktop-Version (und in einigen Apps) kann man Toots *nachträglich* bearbeiten:

  • Rechts unten im Toot auf die drei Punkte klicken und dann »Bearbeiten« auswählen.
  • Den Toot anschließend in der Seitenleiste (bei Ihnen wahrscheinlich links) bearbeiten.

Bearbeitete Toots erkennt man in der Zeitleiste an einem Sternchen * rechts oben neben dem Datum. Klickt man auf das Datum, kann man in der Einzelansicht unten in der Statusleiste auf das kleine Dreieck nach unten klicken, um sich die einzelnen Bearbeitungen anschauen zu können.

Fazit: Mastodon ist klasse, aber nicht Twitter

Wer auf Mastodon einen Twitter-Klon ohne Elon Musk erwartet, der wird enttäuscht werden. Wer aber ein bisschen Zeit investiert, der wird ein vielversprechendes Social Network finden, bei dem wir als Nutzer:innen viel selbst in der Hand haben.

Beiträge zu Mastodon – Übersicht

  1. Was ist Mastodon?
  2. Bei Mastodon anmelden
  3. Mastodon – der erste Eindruck

Weiter geht es dann mit Beiträgen zum »Fediverse« etc.

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